Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Hamburg e.V.
der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

DPG Institut Hamburg

Hannes Heer Zusammenf. 04-15

`Der Skandal als vorlauter Bote. Nazi-Erbschaft am Beispiel der Debatten um die Sonntagsrede und Lebensbeichte von Martin Walser und Günther Grass´
Hannes Heers Vortrag beginnt mit einer Aufzählung von Skandalen in Politik und Medien.

Es geht um sprachliche Entgleisungen oder bewusste kalkulierte Provokationen, die allesamt zeigen: Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen geistert die Nazi-Zeit weiterhin herum. Trotz des Bemühens um einen wissens- und empathiebasierten Umgang mit ihr ist der Spuk noch keineswegs verschwunden. Der Referent diagnostiziert diese skandalösen Vorkommnisse als Fehlleistungen, in denen sich ein unbewusster Wunsch ausdrückt, der sich in der Realität der deutschen Erinnerungspolitik und ihrer Sprachregelung nicht äußern darf und deshalb in jedem Einzelfall auf empörte Ablehnung gestoßen und entsprechend abgestraft worden ist.
Anders steht es mit den öffentlichen, die NS-Zeit betreffenden Skandalen, die keine Fehlleistung, sondern wohlüberlegte Aktionen sind. Sie verfolgen das Ziel, den erreichten gesellschaftlichen Konsens im kollektiven Erinnern der NS-Zeit in Frage zu stellen und dem Erinnerungsprozess eine andere, aus der Sicht des Erreichten eben skandalöse Richtung zu geben. Diese Einschätzung demonstriert der Referent am Beispiel der Sonntagsrede M. Walsers in der Paulskirche und der nachfolgenden Walser-Bubis-Debatte. In seiner Rede macht Walser statt der Schuldfrage, die der Schande zu zentralen Thema des Holocaust-Gedenkens. Bubis hatte als einer der wenigen im Publikum dagegen protestiert und den Redner unmittelbar im Anschluss als geistigen Brandstifter kritisiert. In den mehrfachen Diskussionen zwischen den Kontrahenten, die als Versuche angelegt waren, die Gräben zu überwinden, hält Walser nicht nur an dem von ihm Gesagten fest, sondern spitzt es mit Argumenten zu, die ihn dem berechtigten Vorwurf des Antisemitismus´ aussetzen. Diese Entwicklungslinie zeichneten die Ausführungen überzeugend nach und eben deshalb auch erschütternd, betrifft sie doch die Denkgenese eines der namhafteste deutschen Literaten und Intellektuellen.

Mit Rücksicht auf den Tod von G. Grass zwei Tage zuvor hat der Referent seine Ausführungen ausschließlich auf M.Walser fokussiert. Die vorgesehenen Ausführungen zu G.Grass und die kritische Würdigung des Gesamtwerks des Autoren werden verschoben.

Jörg Petersen, AG Trangenerationale Weitergabe von Traumata durch Holocaust und Krieg

Aktuelles

31.05.18

Trauma, Nachträglichkeit und die Bedeutung des Anderen - Ilka Quindeau. Eröffnungsvortrag der DPG-Jahrestagung. In unmittelbarer Nähe des Dammtorbahnhofs im Radisson Blu Hotel, Marseiller Str. 2, Raum New York. Beginn: 20:00. Öffentlicher Vortrag, Eintritt frei.

31.05. - 03.06.18

'Wenn Zeit nicht alle Wunden heilt - Trauma und Transformation'

DPG-Jahrestagung vom 31.05.- 03.06. 2018 in Hamburg

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