Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Hamburg e.V.
der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

DPG Institut Hamburg

Wenn Begehren verleugnet wird

Ringvorlesung Universität Hamburg Mai 2015

Meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

Mein Vortrag hat zwei Teile. Im ersten, Neurosentheoretischen Teil, knüpfe ich an die nichtspekulative Auffassung Freuds von der Entstehung psychischer Erkrankungen an. Daran hat Freud auch nach dem Zerwürfnis mit Ferenczi festgehalten, neben seinen triebtheoretischen Überzeugungen.
Neurosen wie Psychosen liege eine „unerträglich erscheinende Wunschversagung der Realität“ zugrunde (1924). Die Pointe steckt in dem Ausdruck ‚Versagung’. Es sind „Missgriffe, die sich die Eltern in der Erziehung zu Schulde kommen ließen“, so noch einmal Freud (1938). Im Zweiten Teil werde ich dasselbe Problem erörtern, angewandt auf die therapeutische Situation. Wie steht es dort um die Wunschversagung? Beide mal geht es um Abstinenz.

Der Anfang
Beginnend mit der Erforschung der Hysterie, dem Mann-Frau-Thema seit der Antike, hat sich die Psychoanalyse am Anfang mit den Folgen von sexuell missbräuchlichen Handlungen Erwachsener an Kindern bzw. Jugendlichen beschäftigt. Die Patienten waren Opfer einer „vorzeitigen sexuellen Erfahrung“ (Freud 1896, S. 439). ‚Vorzeitig’ heißt psychisch nicht verarbeitbar und deswegen als unbewusste Erinnerung, als Reminiszenz, in Gestalt der hysterischen Symptome weiter wirkend.
Die allgemeine Annahme eines sexuellen Missbrauchs durch einen Erwachsenen als Entstehungsgrund für eine Neurose war schon damals falsch. Aber die Dramatik des Einflusses der realen Erwachsenen für die Entwicklung des Kindes ist geblieben. Zum Beispiel in der Allgemeinen Verführungstheorie von Laplanche. Diese (metapsychologische) Lesart der Freudschen Texte anerkennt die grundlegende Asymmetrie der Elter-Kind Beziehung und, sie trägt der schlichten Tatsache Rechnung, dass Verdrängung und das Unbewusste beim Anderen sind, bevor sie es beim Kind sind.
Schon hier wird von Trauma gesprochen, dem Trauma der Verführung durch das Unbewusste der Eltern, das im Stil ihrer Handlungen, ihrer Mimik, Gestik und Körpersprache ungewollt einen Ausdruck findet und ihre bewussten Aktionen kontaminieren. Für das Kind „rätselhaften Botschaften“, die sein Integrationsvermögen überfordern und das Kind zum Übersetzen und Verdrängen nötigen. Diese Botschaften verarbeitet das Kind, indem es seinerseits zu Symbolisieren beginnt und, das so nicht Verarbeitbare verdrängt. Es wird unbewusst und von diesen psychischen Resten geht eine permanente Erregung des Unerledigtseins aus. Zwar ist vom Trauma der Verführung die Rede, aber diese Verführung ist zusammen mit der Asymmetrie der Eltern-Kind Beziehung ein anthropologisches Faktum, eine menschliche Bedingung. So wie das Unbewusste eine ist. Die Eltern-Kind Beziehung ist auf dieser metapsychologischen Eben asymmetrisch aber keine von Tätern und Opfern.
Diese Situation ändert sich, wenn Missbrauch in die Beziehung kommt. Missbrauch in jeder Gestalt. Deren allgemeinste Form ist ein Verstoß gegen die Maxime, den Anderen, das eigene Kind nicht als Subjekt eigenen Rechts zu achten, es nicht zu verwenden. Zum Beispiel für die Regulierung eigener triebhafter und oder narzisstischer psychischer Spannungen. Die Maxime fordert Triebverzicht. Triebverzichtend vollziehen wir individuell, was in der Kulturentwicklung der Menschheit nötig war, um Zusammenarbeit zwischen den Individuen zu ermöglichen. Die Ethik ist auf Triebverzicht gegründet. Sie entsteht zusammen mit der Vernunft, der Einsicht in die Notwendigkeit des Verzichts zugunsten der Kooperation mit den anderen, - so, in aller Kürze, Freuds Auffassung in dieser Sache.

Triebverzicht, so sagt das Wort, ist eine bewusste Leistung. Doch auch in diesem Bereich ist das Ich nicht Herr im eigenen Haus. Denn wir sind fehlerhafte Menschen. Wir können es nicht vermeiden, uns dem Anderen mit unseren triebhaften, aggressiven oder libidinösen und narzisstischen Wünschen unziemlich aufzudrängen, ihn möglicherweise für kurz zu überwältigen oder zu verstören.
So etwas geschieht. Überall. In der Erziehung, in Freundschaften, in der Ehe oder auch in der therapeutischen Situation. Die selbstreflexive Einsicht in unsere Fehlerhaftigkeit ist begleitet von der Aufforderung, für unsere Fehler Verantwortung zu übernehmen, nicht nur still für uns, sondern gegebenenfalls, also meist, auch explizit vor dem Anderen. An dieser Stelle kommt Verleugnung ins Spiel. Ein spontaner Übergriff, ein Fehler wird durch seine Verleugnung zum Missbrauch, zu einem Vergehen. Der Begriff ‚Verleugnung’ ist natürlich auch ein Stichwort im Vokabular der Psychoanalyse. Laplanche und Pontalis schließen ihren Eintrag mit dem Satz: „Danach kann man sich fragen, ob die Verleugnung...sich nicht eher auf ein Grundelement der menschlichen Realität als auf eine hypothetische »Wahrnehmung« bezieht“ (S.598) - gemeint ist die Verleugnung der Penislosigkeit des Mädchens und die Wahrnehmung der Kastration. Wenn Verleugnung ein Grundelement der menschlichen Realität ist, dann haben wir es auch mit einem nicht gut gelösten Grundkonflikt zu tun. Dabei geht es um die Bewältigung der narzisstischen Urszene, wie ich sie nennen möchte. Und, es geht wieder um das Mann-Frau-Thema.

Der Sündenfall.
Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten (Evas Rolle lasse ich jetzt außer acht, der Geschlechterkampf ist sekundär) da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
Nacktheit und Scham gehören seit alters her zusammen. Adam und Eva schämen sich voreinander und vor Gott. Wenn wir uns schämen, schämen wir uns unserer Selbst, und einer zu recht oder falsch empfundenen Mangelhaftigkeit. Manche Patienten schämen sich dafür, überhaupt zu sein, da zu sein. Scham ist einer der schlimmsten Affekte, weil wir uns damit nicht an den Anderen wenden können. Er beruht ja gerade auf der Hereinnahme des (tatsächlich oder phantasierten) abwertenden Blickes des Anderen. Scham bildet wesentlich den Boden von Objektbeziehungsschwierigkeiten, der Not, als Objekt der Wahrnehmung zugleich Subjekt zu bleiben (Seidler).
Freud hat diesen Affekt vernachlässigt, im Wörterbuch der Psychoanalyse kommt er als Stichwort gar nicht vor und im deutschen Sprachraum ist er erst mit den Arbeiten von Wurmser Ende des vorigen Jahrhunderts ein eigenes Thema geworden. Wenn auch bei weitem nicht genug.
Wenn Adam und Eva sich voreinander schamhaft bedecken, deutet das in dieser Lesart darauf hin, dass sie sich im Angesicht des verschiedenen und realen Anderen selbst jeweils als weniger wertvoll empfunden haben. Vor dem Sündenfall waren beide Geschlechter gleichvollkommen. Mit dem Sündenfall ist den Menschen die Aufgabe gestellt, sich selbst und den verschiedenen Anderen, den Mann, die Frau, das Kind, als gleichwertiges, gleichunvollkommenes Selbst zu akzeptieren und zu respektieren und, den anderen nicht zur Verbesserung des eigenen Selbstgefühls- und Selbstwerts zu verwenden. -  Und wenn es doch geschieht, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Wenn Eltern, Mutter und oder Vater die narzisstische Urszene nicht gut bewältigt haben, ist ihr Selbstgefühl brüchig, eine prekäre Disposition. Sie neigen dazu, entsprechende Spannungen an dem von ihnen abhängigen, ihnen ausgelieferten Kind abzuarbeiten. Sie neigen zu Übergriffen und deren Leugnung. Sie gestatten dem Kind nicht, Kind zu sein – eine schwere, über die Generationen fortwirkende Wunschversagung.

Wir alle waren einst vollständig abhängig von unseren realen Anfangsbedingungen, nämlich von der Art und Weise unserer Eltern, Mutter und Vater und ein Paar zu sein. Wir waren vollständig abhängig von ihrer Fähigkeit, uns ins Leben zu bringen, uns am Leben zu erhalten und von ihrer Weise, uns in ihrem Leben einen Raum zu geben. Wir alle bewältigen in unserem Leben unsere Anfangsbedingungen und schöpfen daraus. Psychische Erkrankungen sind dementsprechend als Bewältigungsversuche von Anfangsbedingungen zu verstehen, die nicht gut genug, die widrig gewesen waren. Mehr oder weniger: Dies müssen Sie im Folgenden mithören. Im Übrigen gilt Freuds Maxime, dass wir aus den schweren Fällen besser lernen.

Selbstübersetzungen
Mit dem Spracherwerb tritt das Kind aus der Situation der Abhängigkeit heraus, einerseits lautmalerisch symbolisierend, sich selbst übersetzend, andererseits unbewusst und abwehrend. Wie kann das Kind Botschaften verarbeiten, die deswegen rätselhaft sind, weil sie von Spaltung und Leugnung der Erwachsenen zeugen? - Anders als seinerseits spaltend und verleugnend?

Unter widrigen Bedingungen folgt die Übersetzung notgedrungen einer anderen psychischen Bewegung. Das Kind kann nicht anders als mit einer Selbstveränderung reagieren, es „zerklüftet“ sich. Diese Selbstübersetzung erzeugt Halbwesen (elterliche Introjekte) auf der psychischen Bühne des Kindes.
Sobald es kann, also mit dem Spracherwerb, übersetzt sich das Kind, das widrige elterliche Benehmen, in Form einer Selbstbeschuldigung und spaltet seinerseits. Denn mit dem Gefühl, die Eltern seien irgendwie entrückt, ignorierend, oder wirklich böse, kann ein Kind nicht leben. Und auch wenn immer wieder kurz aufblitzt, dass das oder die so nicht richtig sind, kann das Kind unmöglich psychisch daran festhalten. Es leugnet die Realerfahrung und imaginiert Elternfiguren, die sich dem Kind liebevoll zuwenden werden, wenn es sich nur anstrengt, ein gutes Kind, ein besseres Kind zu werden. Darum kann es sich bemühen.
Das Kind spaltet, ein solches Liebesobjekt hat es nie gegeben. Und das Kind verkehrt die nichtaushaltbare Scham, nicht gut genug, schlecht oder falsch zu sein in Schuld. Selber schuld.
Ferenczi hat von der traumatischen Progression (1932, S. 522) gesprochen: Das Kind wird vorzeitig zum Experten der Einfühlung in die Erwachsenen und der Deutung ihrer Befindlichkeit, um sich darauf einzustellen, um zu sein, wie diese es wünschen. Das Kind lebt real mit der phantasierten Schuld, Ursache für die Konflikte zu sein. Und es lebt mit der (notwendigen) Phantasie, die Eltern heil machen zu können. Es entwickelt mit der Zeit Allmachtsphantasien und lebt eine frühreife, illusionäre Autonomie. Das „Ich schafft sich selbstherrlich eine neue Außen- und Innenwelt“ (1924, S.389), so Freud.

Verdrängen, Spalten, Verleugnen, und Idealisieren sind allesamt psychische Aktivitäten, die der Abwehr dienen, dem Schutz vor Unerträglichem, genauer: dem Schutz vor dessen Wiederauftreten. Die abwehrenden psychischen Aktivitäten dienen dem Aufrechterhalten der illusionären Autonomie. Das ist gewissermaßen Sinn der Konstruktion der inneren Welt des Patienten (oder seines Frühstörungsanteils). Deren Statik ist mehr oder weniger instabil und die vielfältigen neurotischen Stile verstehe ich als Verkleidung des Gerüsts. Wo scheinbar neurotische Verhältnisse die Szene beherrschen, dienen auch sie dem Aufrechterhalten der Autonomie. Anders gesagt: Neurosen sind in dem Maß leichte, schwere oder schwerste psychische Erkrankungen, in dem sie einen narzisstischen, einen Integrationskonflikt abwehren müssen.
In diesen Bereichen unseres Selbst haben wir es mit Scham und Schuld zu tun. Ein augenfälliges Merkmal ist der versperrte psychische Zugang zu den widrigen Erfahrungen. Das Kind hatte gelernt und der Patient fährt darin fort, die eigenen Wörter ihrer affektiven Bedeutung zu entkleiden, nicht zu fühlen wovon er spricht. Er darf nicht begreifen, was er weiß. Er kann von seinem bloß kognitiven, vorbewussten Wissen keinen psychischen Gebrauch machen, er würde Unerträglichem begegnen.
Wenn Eltern, Mutter und oder Vater die narzisstische Urszene nicht gut genug bewältigt haben, regulieren sie zu oft entsprechende Spannungen in der Beziehung zum ihnen abhängigen, ihnen ausgelieferten Kind. Übergriffe geschehen und werden verleugnet. Nicht umsonst lautet die eherne Maxime unserer Zunft »Die Kur muss in der Abstinenz durchgeführt werden«. Damit zum zweiten Teil.

Abstinenz
Freud hatte dabei „nicht allein die körperliche Entbehrung“ gemeint, sondern auch ‚nicht die Entbehrung von allem, was man begehrt, denn dies würde vielleicht kein Kranker vertragen’ (X, 313). Das ist etwas kryptisch formuliert. Vielleicht weil die Sache etwas heikel ist. Wir dürfen dem Patienten nicht alles versagen, was er begehrt, das würde er nicht aushalten.
Andererseits wissen wir und benehmen uns so, dass wir die Bedürfnisse und Sehnsüchte unserer Patienten nicht befriedigen, z.B. ihre Übertragungsliebe nicht erwidern. Deren Wünsche müssen, „als zur Arbeit und der Veränderung treibende Kräfte“ (ebd.) bestehen bleiben. Außerdem können neurotische Wünsche, per se, gar nicht befriedigt werden. Also sollen wir uns hüten, sie durch Surrogate beschwichtigen zu wollen (ebd.). Wer sich auf dieses Unding einlässt, ist verloren. Der analytisch therapeutische Prozess ist am Ende oder kommt nicht zustande. Einfache, direkte Wunscherfüllung kommt also nicht infrage.
Aber so einfach ist es nicht. Denn: Wir können nicht wissen, was an unseren Aktivitäten für den Patienten eine Wunscherfüllung bedeutet. Also müssen wir möglichst reizarm sein, uns verhüllen, enthaltsam sein.
Diese Idee von Abstinenz schafft ein schwer lebbares Paradox und kann leicht zu einer paranoischen Haltung der eigenen Lebendigkeit gegenüber führen. Wir würden unsere Interventionen dauernd mit einer »Du darfst nicht« - Liste abgleichen. Und wenn wir auch über die Wünsche des Patienten stichhaltige Vermutungen hätten, was uns selber angeht, können wir gar nicht wissen, wie und wie sehr unsere bw therapeutischen Aktivitäten zugleich eigene ubw Wünsche erfüllen möchten. Denn wir können die ubw Anteile unserer Aktivitäten erst an ihren Folgen, im Nachhinein also, zu fassen kriegen. Enthaltsamkeit in dieser Hinsicht können wir uns gar nicht vornehmen. Der Abstinenzbegriff, in dessen Zentrum das Verhüllungsgebot steht, ist eine psychoanalytische Spezialität. Die Maxime Triebverzicht hingegen gilt für alle Formen psychotherapeutischer Praxis, sie gilt in pädagogischen Institutionen und weit darüber hinaus. Längst wissen wir: Wie auch immer wir uns dem Patienten präsentieren, geben wir ihm ein Rätsel auf oder kommen seinen Wünschen entgegen. Das ist kein Plädoyer für anything goes. Nur: Die Vorstellung von Abstinenz, die an der Entsagung des Patienten orientiert ist, bietet keine behandlungspraktische Orientierung. Und führt manchmal in eine Sackgasse.

Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die ich auf einem Psychotherapieforum im Netz gefunden habe. Hier ist der Analytiker auf eine besondere Weise abstinent. Kurzfassung:

Unter dem Titel »Wenn Abstinenz zur Qual wird« beklagt eine Nutzerin verzweifelt die abstinente Haltung ihres Analytikers und fragt, was sie tun soll. Seit 7 Monaten verweigere er eine Antwort auf ihre Frage nach dem Verbleib ihres letzten Antrages. Sie fragt sich, ob er in Schwierigkeiten ist. Er antworte stets „Den Bericht habe ich noch nicht geschrieben“, und jüngst auf ihr beharrlicher werden, habe er ihr gesagt, dass die Frage nach dem Warum nicht mehr das Organisatorische, sondern ihn als Person betreffe. Außerdem wäre das Reale hier nicht mehr von der Übertragung zu trennen, deshalb könne er ihr den Grund nicht nennen. Eine Antwort auf meine Frage verstoße gegen die Abstinenz. Ich müsse mich mit dem Versprechen zufrieden geben, dass die Stunden stattfinden und irgendwann abgerechnet würden. Die kluge Patientin vermutet, dass ihr Analytiker denkt, sie wolle ihn durch ihre Fragen zu einer Grenzüberschreitung drängen, dazu, von seiner Regel abzuweichen. Denn wenn er ihr auf die Frage nach dem Verbleib des Berichts antworten würde, würde er zugleich ihren Wissensdurst stillen. Auch ist sich die Patientin sicher, dass ihr Analytiker weiß, welche Vertrauensverunsicherung er ihr zumutet. Aber all dieses Wissen nützt nichts. „Die Unsicherheit“, so der letzte Satz, „quält mich sehr“. - Das steht so im Netz.
Auch der Kollege, so ist anzunehmen, quält sich. Er ist, seinem Abstinenzverständnis folgend, in ein Dilemma geraten. Was kann er tun?
Unser Analytiker müsste die Klagen auf sich (anstatt auf die Methode) beziehen, er müsste zumindest merken, dass der Prozess gestört ist, womöglich zu entgleisen droht. Er glaubt, methodengetreu, auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn der für beide an dieser Stelle quälend ist. Das Unheimliche an diesem Beispiel ist die strukturelle Nähe zu den Vielfachtätern etwa bei sexuellem Missbrauch. Sie denken nicht nach über ihr Tun. Sie haben keinen Grund, sich an jemand Drittes zu wenden. Sie sind, auf die eine oder andere Weise, mit Größenphantasien identifiziert.
Unser Analytiker ist mit dem Ideal einer Selbstverhüllung identifiziert, die die Übertragung rein halten soll. In diesem Bereich existiert seine Patientin nicht als gleichberechtigte Vertragspartnerin. In ihrer Therapie, hat er seiner Patientin gesagt, dürfe es ausschließlich um sie gehen. Ausschließlich um sie als Patientin. Dementsprechend darf er nur Analytiker sein. Eine Antwort nach dem Verbleib seines Berichts aber berühre seinen persönlichen Bereich.
Die Patientin ist sich zwar sicher, dass ihr Analytiker weiß, welche Vertrauensverunsicherung er ihr zumutet. Aber sie kann von diesem Wissen psychisch keinen Gebrauch machen, es lindert ihre Qual nicht. Was bedeuten seine Worte, wenn er sagt, er wird den Bericht noch schreiben? Sie müsse ihm vertrauen, sagt er schließlich. Blind, kann man hinzufügen, mit dem blinden Vertrauen eines abhängigen Kindes. Der Analytiker seinerseits weiß, was er seiner Patientin zumutet und, er weiß um seine bislang fruchtlosen Bemühungen den Bericht zu schreiben. Er ist aufrichtig und guten Willens. Er ist in einer schwierigen Lage. Man braucht ersichtlich nicht Analytiker zu sein, um in so etwas hinein zu geraten. Hätte er sich den Bericht von einem Kollegen schreiben lassen sollen? Dann hätte er schwindeln müssen beim ankreuzenden Bejahen der Frage, ob der Bericht von ihm selber verfasst sei. Kann das lange gut gehen? Was hätte er tun können?

Schon vor geraumer Zeit, man weiß nicht wie lange, hätte der Analytiker zunächst einmal selber wahrhaben, psychisch anerkennen müssen, dass er unter einer Störung leidet. Dann hätte er etwas tun können, sich in Supervision begeben oder therapeutische Hilfe aufsuchen. Und dann hätte er darüber nachdenken können, was er seiner Patientin antworten, wie er zu ihrer berechtigten Frage Stellung nehmen will. Und wenn die Zeit es erfordern würde, muss er ihr sagen, dass er unter einer Arbeitsstörung leidet und sich um deren Behebung bemüht. Das wird für die Patientin auch nicht leicht zu verkraften sein, ist aber besprechbar, gehört mit zur Auseinandersetzung mit der Realität, in diesem Fall zur Realität ihres Analytikers. Dieser muss sich allerdings auf diesen Prozess einlassen. Wie regieren Kinder, wenn sie vom Erwachsenen hören, dass ihn etwas plagt? Wie würde wohl unsere kluge Patientin reagieren? Zunächst dankbar und erleichtert über diese Selbstauskunft, stelle ich mir vor und, sie würde Anteil nehmen. - Was ja bedeutet, einen Teil der Plage übernehmen, anteilig. Um dem Erwachsenen zu helfen. Das wird sich in ihrem Reden bemerkbar machen. Wenn der Analytiker im Verlauf dann sagt »Sie müssen mir vertrauen, dass es mir gelingt, die Störung zu beheben«, gibt er ihr zu verstehen, dass ihm diese Anteilnahme nicht recht ist, er zieht eine Grenze und sich dahinter zurück. Würde er sagen »Ihre Anteilnahme berührt mich, Sie können mir vertrauen« begegnet er seiner Patientin diesseits an dem Ort, an dem die Lasten verteilt werden – und grenzt sich zugleich ab. »Sie müssen mir vertrauen« klingt wie eine Verurteilung: wenn Sie es nicht können, sind Sie selber schuld. »Sie können mir vertrauen«, darin ist zu hören, dass der Analytiker selber an sich glaubt, zuversichtlich ist, dass er sein Dilemma bewältigen wird. Es ist ein Versprechen, für dessen Einlösung er die Verantwortung übernimmt. Es geht mir natürlich nicht um die Wörter, sondern um die darin sich artikulierende Haltung. Anders gesagt: Es geht immer noch um das Verständnis von Abstinenz.

»Ohne Abstinenz gibt es keine psychoanalytische Behandlung«.  
Dieser eherne Satz von Cremerius, erinnert an Winnicotts Dictum »ohne Mutter kein Säugling«. Ohne Beziehung zu einer Mutter, die gut genug ist, kann das kleine Etwas, kein Säugling werden. Der Satz »Ohne abstinenten Analytiker keine therapeutische Behandlung« hat die gleiche Struktur: Ohne Beziehung zu einem Analytiker, der gut genug ist, kann ein Hilfesuchender nicht Patient werden. Gut genug, so haben wir von Winnicott gelernt, heißt: hinreichend affektiv und empathisch präsent, hinreichend selbstreflexiv, - d.h. für Maßlosigkeiten in der einen oder anderen Richtung und deren Folgen die Verantwortung tragend.
„Geben wir dem strukturell ich-gestörten Patienten“, schreibt Cremerius „das, was ein Mensch, der nicht seine Mutter, sondern sein Therapeut ist, einem anderen geben kann“ (S.186). - Im Text steht dann ein Punkt, kein Frage- und kein aufforderndes Ausrufezeichen. Der Satz stellt fest. Er bekräftigt die Exklusivität der leiblichen Mutter- oder Elternschaft. Abgesehen davon geben wir, was ein Mensch geben kann. Punkt. Als sei das selbstverständlich. Und um das klar zu stellen, weil hier die Quelle so vieler Missverständnisse verborgen liegt: Was der Therapeut geben kann ist auch hier nicht inhaltlich bestimmt, sondern betrifft das richtige Maß: nach bestem Wissen und Gewissen.

Wenn wir gut genug sind, sind wir bessere Eltern.
Nicht nur symbolisch, wir sind es tatsächlich. Gleichgültig welcher psychotherapeutischen Art oder welcher  psychoanalytischen Couleur. Tatsächlich heißt real. Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Denn das hinreichend Gute und das Schreckliche wohnen eng zusammen. Das Heilsame ist zugleich eine Zumutung   - für den Patienten. Denn dessen innere Welt wird von Spaltung, Idealisierung und Verleugnung, von Schuld und insbesondere Scham und deren Abwehr strukturiert und zusammengehalten.
Daraus ergeben sich zwangsläufig Schwierigkeiten: der Therapeut verkörpert den realen Anderen, er nimmt die Stelle eines damaligen Erwachsenen ein und der Patient ist von der Art und Weise wie er das tut, so vollständig abhängig wie damals. Was wir ihm anbieten, eine Beziehung, in der sich der Patient abhängig machen und sich zeigen kann, muss er meiden wie der Teufel das Weihwasser. Seine ganze Konstruktion, die ihm damals zum psychischen Überleben verholfen hatte, stünde auf dem Spiel.
Aus seiner Sicht und Erwartung sind wir nicht arglos, sondern über die Maßen kränkbar, verachtend und Liebesbedürftig, verführend, aggressiv, beschämend oder gar ignorierend – hinter unserer professionellen Fassade. Dringend darauf angewiesen zu wissen, wer wir sind, rennt er gegen die Fassade an, also gegen unsere Abstinenz. Wir erleben uns gegebenenfalls als Verursacher einer Vielfalt dramatischer Reaktionen (auch lähmendem Schweigen) - und werden in die häusliche Situation immer mehr hineingezogen. Wir finden uns mit der Opfer- wie der Täterrolle identifiziert und konfrontiert mit den in uns bereitliegenden Scham- und Schuldgefühlen.
Unsere Interventionen sollen reflektiert erfolgen, überwiegend meinen wir, was wir sagen. Nun haben wir es mit einem grundsätzlichen Verständigungsproblem zu tun: Was auch immer der Therapeut sagt, der Patient kann nicht anders als sich zu fragen »was will er?«, »was will er wirklich?«. Vorzeitig zum Experten der Einfühlung in die Erwachsenen geworden, hört er auf Zwischen- oder Untertöne und übernimmt eine aktive Position, verteidigt seine Autonomie; er tut, was er kann, um sich zu wappnen.

Und wir?
Wir geraten under fire. Wir fühlen uns nicht nur wider Willen zu bestimmten Rollenübernahmen gezwungen, wir können uns auch nicht mehr von der Identifikation mit dem Patienten oder einer seiner Primärfiguren befreien, wenn sie uns nicht bewusst werden. Eingeklemmt zischen den Ich-Ideal und Über-Ich Forderungen beginnen wir an unserer Kompetenz zu zweifeln. Wir geraten in Gefahr, dünnhäutig oder dickfellig zu werden. Beides sind prekäre Dispositionen. Bei den Untersuchungen, welche Faktoren auf Seiten des Analytikers die Wahrung der Abstinenz unter solchen Umständen erschweren, findet man an vorderster Stelle eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur und ein schlechtes Familien-, Eheleben oder Einsamkeit.  Aber auch ohnedies sind wir fehlerhafte Menschen.   
Diese Einsicht beginnt in der Zunft Raum zu greifen. Unter dem etwas anspruchsvollen Titel ‚Fehlerkultur’ werden sie systematisiert und besprochen. Diese Überlegungen bleiben jedoch, so weit ich sehe, selbstbezogen. Im Vordergrund steht, dass wir Behandlungsfehler enttabuisieren, sie uns eingestehen und unter uns veröffentlichen -  etwa in authentischen Falldarstellungen.
Was fehlt, ist das öffentliche Nachdenken über Formen des Eingeständnisses in der Beziehung mit dem Patienten. Etwa unter dem Titel Verantwortungskultur. Zu dieser gehört zum einen die Anerkennung von Fehlern und Abstinenzverletzungen. Das ist schon einmal heilsam, weil wir uns damit die dritte Position zurückholen und uns aus der Kollusion befreien. Darüberhinaus gehören dazu Überlegungen, wie wir gegebenenfalls explizit Stellung nehmen. Der Patient hat einen Anspruch darauf   - diese Entbehrung dürfen wir ihm nicht zumuten, er würde sie nicht ertragen -  einen Anspruch darauf, dass wir für unser fehlerhaftes Handeln sichtbar die Verantwortung übernehmen. Wann immer ‚etwas mit uns ist’, wir aus der Haut gefahren, die Fassung verloren oder merkbar ‚anders’ sind, weil ernsthaft krank oder dauerhaft bestürzt von einem Familienunglück o.dgl., müssen wir dazu auf die eine oder andere Weise Stellung nehmen. Ebenfalls maßvoll, gut genug.

Schließlich noch etwas zur Abstinenz. Manchmal geraten wir in heikle Situationen. Nun zum Ende werde ich von Begebenheiten erzählen, die von Kolleginnen und Kollegen stammen. Von 3 heiklen Situationen und den Umgang damit. Für kurz leihe ich ihnen dankbar meine Stimme und trage die kleinen Berichte so vor, wie ich sie bekommen habe.

Ein Apfel
Ein 25 j. Student, chronisch depersonalisiert, zwanghaft-schizoid, mit abweisendem Vater, und intrusiver Mutter, Kontakt abwehrend, nach längerer Therapie:
Zu Beginn einer Stunde fragt mich der Patient nach einen Apfel, er habe Hunger. Ich denke nach: Nein sagen ist Abweisung, Deuten fördert seine Intellektualisierung, Apfelgeben „speist ihn ab".
Also, da ich einen Apfel und ein Messer dahabe, zerteile ich den Apfel in 2 Hälften, gebe ihm eine, wir essen gemeinsam. Eindruck danach: Es war richtig, er hat gespürt.

Eisglätte
Eine ältere Dame, 75, kommt seit Jahren wegen Depressivität und Ängsten in einem grässlichen Ehekonflikt, trennen geht aber nicht nach 50 Ehejahren…Der Partner entwertet die Therapie, wo er nur kann. Im Winter kommt seine große Stunde, da ist es glatt, die Pat. hat Angst zu fallen, die Straßen sind hier nur rudimentär gestreut, die Wege nicht befestigt.
Er weist sie dann daraufhin, dass sie stürzen wird und alles in der Katastrophe enden. Sie soll zuhause bei ihm bleiben - in dem sadomasochistischen Arrangement. Sie ist gewohnt, dem zu folgen und sich zu unterwerfen, um ihn umso mehr hassen zu können, aber sich nicht trennen zu müssen…
Kurzum, sie ruft wieder einmal an, um die Stunde abzusagen, es sei zu glatt, sie schaffe den Weg nicht, als ich mich bereit erkläre- wieder ohne wirklich nachzudenken- sie abzuholen, das Ganze sind vielleicht 3 km… Im Auto wird uns beiden schon klar, wie dicht und außergewöhnlich diese Situation plötzlich für uns beide ist.
Von nun an wird sie bei Wind und Wetter und Glatteis kommen. Der Bann, in dem sie sich in der Ehe halten ließ, ist gebrochen. Sie beginnt von nun an, ihrem Mann auf Augenhöhe zu begegnen, wird sich von seiner Depressivität und Negativität abgrenzen und buchstäblich eigene Wege gehen. Über mehrere Jahre wird diese Auseinandersetzung gehen und beide leben heute immer noch zusammen, aber sie ist dabei selbständig und viel unterwegs.  

In Gummistiefeln
Etwa eine ¾ Std. vor Beginn der ersten Sitzung hatte ich mich durch ein Missverständnis mit meiner Kollegin aus der Praxis ausgeschlossen und stand mit Hund in Gummistiefeln vor der Tür. Um die Kollegin zu erreichen (damals hatte ich noch kein Handy) ging ich zur Nachbarin, um zu telefonieren. Meine Not und Aufregung erfassend, bot sie (eine Chirurgenwitwe) mir an, „meine Ordonanz“ doch in ihrem Wohnzimmer abzuhalten. Da ich meine Kollegin nicht erreichen konnte, nahm ich das Angebot an und empfing meine Pat. in Gummistiefeln vor der Praxis, ging mit ihr zur Nachbarin und begann die Stunde pünktlich. Die Pat. reagierte tief gerührt und dankbar, dass ich sie nicht nachhause geschickt, sondern diese Lösung gefunden hatte. Nicht nur, weil ihr Weg zur Praxis weit war, sondern wegen meiner Fürsorge war sie berührt und es wurde eine intensive Sitzung. Nach 50 Minuten schüttelte sich der Hund, der sich neben der Couch brav hingelegt hatte, stand auf und leckte ihr die Hand, was wir lachend als ein Zeichen nahmen, diese ungewöhnliche Stunde zu beenden. Mein Supervisor fand meine Reaktion nachvollziehbar und gut.

Ein abschließender Kommentar
Es handelt sich um Episoden, in denen der Therapeut als private Person in Erscheinung tritt und handelt. Wie der Postbeamte, der sich, wie wir sagen, als Mensch erweist, von seinen Regeln abweicht und den Schalter nicht Punkt 18:00 Uhr schließt. Darin liegt natürlich auch eine Wunscherfüllung. Der Patient will wissen, was für ein Mensch wir sind. In der Art der Regelabweichungen in den kleinen Therapiegeschichten liegt die Pointe. Sie sind lebendig (wie aus dem Leben gegriffen) und sie geschehen im Wesentlichen bedacht, nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz und gerade angesichts der geteilten Intimität bleiben wir Therapeuten. Die in solch’ heiklen Situationen entstehende Nähe schafft eine prekäre Disposition: sie könnte uns dazu verführen unsererseits privat zu werden. Aus einer, wenn auch unüblichen, Intervention würde missbräuchliches Handeln, Agieren. Wir dürfen, um mit Freud zu reden, unseren Einfluss nicht missbrauchen. Wir dürfen einen Fehler der Eltern nicht wiederholen.

Psychoanalyse  -  Die Lehre vom Unbewussten. Inzwischen haben unter diesem Titel längst auch Theorie und Therapie der schweren Neurosen ihren Platz gefunden. Unbewusstes Begehren kontaminiert das bewusste Handeln der Erwachsenen, macht ihre köpersprachlichen Gesten zu rätselhaften Botschaften, die das Kind symbolisierend und verdrängend bewältigt. Unbewusste Triebdurchbrüche, Abstinenzverletzungen sind rätselhafte aber lässliche Sünden, sie werden erst durch Verleugnung und Wiederholung zum widrigen Begehren, zu missbräuchlichen Handlungen. Das Kind kann diese nur durch Selbstveränderung, Selbstzerklüftung bewältigen. Das träfe auch auf den Patienten zu. Das Unbewusste kennt keine Täter und es kennt keine Opfer. Wie oft wird in Diskussionen über Missbrauchsfälle diese abstrakte Einsicht dazu verwendet, um nach den unbewussten Anteilen betroffener Patientinnen zu suchen. Die therapeutische Situation, so wird dann etwa gesagt, gehorche einer vom gemeinsamen Unbewussten strukturierten Dynamik. Ein jeweils ungelöster Konflikt beider würde in der Beziehung zwischen ihnen reinszeniert (Pfannschmidt 1998, 380). Als seien beide, Therapeut und Patient, gleichermaßen und ununterscheidbar Täter und Opfer in der Dynamik des Unbewussten. Diese Auffassung leugnet die fundamentale Asymmetrie der Therapeut-Patienten Beziehung.
Denn in unseren Räumen sind wir ohne Einschränkung für die Beziehung zu uns selbst und zu unseren Patienten verantwortlich (dazu gehört auch der äußere Raum, wenn wir dem Patienten dort begegnen). Der Patient hat einen Anspruch darauf. Dieses Begehren dürfen wir ihm nicht versagen.

Freud hat seine Traumatheorie von der Entstehung psychischer Erkrankungen nie aufgegeben, auch wenn das Hauptfeld seiner Arbeit die Übertragungsneurosen waren. Dort steht das Kind mit seinen Schwierigkeiten, die Probleme seiner infantilen Sexualität zu lösen und abzuwehren, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das ist eine Perspektive, die den Beitrag des erwachsenes, primären Liebesobjekts für das Wohl und die Entwicklung des Kindes ausblendet. Dessen Triebleben und seine Not damit entfalten sich in der Beziehung zu Erwachsenen, die ein Unbewusstes haben und zu deren Realität Verleugnung als Grundelement gehört. Unbewusst motivierte Übergriffe werden durch deren Verleugnung zu missbräuchlichem, schuldhaftem Handeln. In diesem Kontext haben es Patienten damit zu tun anzuerkennen, dass ihre Eltern sich an ihnen mehr oder weniger schuldig gemacht, ihre Pflicht als Eltern versäumt haben. Und wieder haben wir es mit Scham zu tun. Diese ist schwerer zu ertragen als ödipale Schuld. Scham und die Angst vor Beschämung sind mit die schlimmsten Gefühle, weil sie mit der Angst vor absoluter Trennung vom Objekt verbunden sind.
Wir dürfen nicht vergessen, der schlichten Tatsache Rechnung zu tragen, dass Verleugnung und Spaltung beim anderen, bei den Eltern sind, bevor sie es beim Kind sind. Wie können wir vergessen, dass Kinder Opfer sind, bevor sie Täter sein können?

Aktuelles

26.01.18

'Über die stillschweigende Duldung unmenschlicher gesellschaftlicher Zustände' - kognitionswissenschaftliche, psychoanalytische und politische Perspektiven. Vortrag von Prof. Dr. Mausfeld und Dr. med. Klingenburg-Vogel aus Kiel.

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16.02.18

Zur Dekonstruktion geschlechtlicher Normativität - Queer Theory und Psychoanalyse. Die Wiener Psychoanalytikerin Mag.a Dr.in Esther Hutfless wird über die Schnittmengen zwischen Psychoanalyse und Queer Theory sprechen.

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22.09.17

M. Fakhry Davids, britischer Psychoanalytiker aus London, hat am 22.09.17 einen Vortrag zum Themaüber 'Internal Racism' gesprochen.

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20.04.17 ff.

Der Traum und die Psychoanalyse (Vortragsreihe). Torsten Maul, Dozent am Hamburger DPG-Institut hat am 11. Mai über den Umgang mit der Traumerzählung in psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Behandlungen gesprochen; moderiert wurde die Veranstaltung von Gabriele Amelung.

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