Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Hamburg e.V.
der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

DPG Institut Hamburg

Der Ödipuskomplex

Der Ödipuskomplex

Freud ist in seiner Selbstanalyse etwas "aufgegangen", als er die Tragödie des Königs Ödipus von Sophokles gelesen hat. Er sei dadurch mit dem Ödipuskomplex "zusammengetroffen". So findet Freud in Sophokles gleichsam seinen Analytiker und in der Tragödie den bedeutungstiftenden Rahmen für seine unbewußten Phantasien. Es geht damit in der Beschäftigung mit der von Sophokles entwickelten Dramaturgie nicht allein um den variantenreich rezipierten Inhalt des Stückes, einer Variante eines antiken Mythos. Der Ödipuskomplex ist auch nicht nur ein Modell in einer entwicklungspsychologischen und pathogenetischen Theorie. Von Freud wird ein spezifischer, erhellender Moment der Erfahrung (Kairos),  die Struktur einer bedeutungstiftenden Situation (das Zusammentreffen mit dem fremden Anderen des Subjekts in einem narrativ sich entfaltenden Gegenüber) und ein symbolvermittelter  Rahmen benannt. Freud hat im Zusammentreffen mit dem Ödipuskomplex eine zentrale ontogenetische Konfliktstruktur erkannt,  die  analytische Situation entworfen und die methodologische Positionierung der Psychoanalyse begründet. Deshalb ist bis heute die Beschäftigung mit dem Ödipuskomplex für die Psychoanalyse und den/die Psychoanalytikerln wesentlich.

LITERATUR:

Britton,R., Weitere Überlegungen zur dritten Position. In: Britton,R., Feldman,M., Steiner,J., Groll und Rache in der ödipalen Situation. Beiträge der Westlodge-Konferenz. Tübingen, (edition diskord),  1997, S.97- 134

Bri1ton,R., Ödipus in der depressiven Position. In: Britton,R., Glaube, Phantasie und psychische Realität. Psychoanalytische Erkundungen. Stuttgart (Klett-Cotta) 2001, S.47-60

Britton,R., Die fehlende Verbindung: Die Sexualität der Eltern im Ödipuskomplex. In: Britton,R., Feldman,M., O'Shaughnessy,E., Der Ödipuskomplex in  der  Schule  Melanie Kleins, Stuttgart (Klett-Cotta),  1998, S.95-115

Dreher, A.U., Ödipus-Konf1ikt- Inhalt, Methode und methodologische Position?. In: Gast,L., Körner,J., Psychoanalytische Anthropologie Bd.II. Ödipales Denken in der Psychoanalyse. Tübingen (edition diskord), 1999, S 142 - 163

Freud,S., Der Untergang des Ödipuskomplexes. In: Freud,S., Ges.Werke, Bd.5

Steiner,J., Der Kampf um Vorherrschaft in der ödipalen Situation. In: Weiß,H., Ödipuskomplex und Symbolbildung. Ihre Bedeutung bei Borderline-Zuständen und frühen Störungen. Tübingen  (edition diskord),  1999, S.98- 118

Wellendorf,F., Das Ende des Ödipus. Ödipuskomplex, Sexualität und Tod. In: Wellendorf F., Werner,H. (Hrsg.), Das Ende des Ödipus. Tübingen (edition diskord), 2005. S.53 -73

TERMINE:

18.April 2013 Der Text von Freud und der von Steiner werden vergleichend diskutiert. Es soll die These von Steiner geprüft werden, daß Freud eine verfolgende Version des Ödipuskomplexes konzeptualisiert hat. Für eine konzentrierte Arbeit wäre es sehr sinnvoll, wenn möglichst viele Seminarteilnehmer die Texte gründlich gelesen hätten.

27.April 2013 In den drei DS am Sonnabend wird das  postkleinianische,  komplexe Verständnis des Ödipuskomplexes den Schwerpunkt bilden.  Dabei  wird  es um    die Vermittlung der depressiven Position mit dem ödipalen Konfliktszenario bzw. der ödipalen Struktur gehen. Deren konstitutive Funktion für die Entwicklung der Fähigkeit zur Symbolbildung, zum rationalen Denken, zur Unterscheidung zwischen innerer  und  äußerer Realität,    zur Integration von Objektbeziehungen,  zur Differenzierung ödipaler Hlusionen von der Anerketmung der ödipalen Situation wird den Fokus bilden.
Es wird darum gebeten, daß einige Seminarteilnehmer die drei Texte von Britton vorstellen und einige Fragen, Gedanken, Vorbehalte usw. dazu entwickeln. Arbeit an ausgewählten Textstellen.

16.Mai 2013 Den Abschluß bildet die Beschäftigung mit den beiden Texten von Ursula Dreher und Franz Wellendorf. Auf einer abstrakteren Ebene werden Gesichtspunkte für die vergleichende Diskussion unterschiedlicher Konzepte vom Ödipuskomplex besprochen. Es wäre schön, wenn Seminarteilnehmer vorbereitend Gesichtspunkte erarbeiten würden, welche die traditionelle, freudianische und die postkleinümische Konzeptualisierung in einem weiter gespannten Kontext ("Sexualität und Tod") vergleichbar und von weiteren Positionen unterscheidbar machen.

Ich bitte um Anmeldung per e-mail: walter-marggraf@freenet.de

Aktuelles

Wintersemester 2017-18

Das neue Semesterprogramm ist online!

16.02.18

Zur Dekonstruktion geschlechtlicher Normativität - Queer Theory und Psychoanalyse. Die Wiener Psychoanalytikerin Mag.a Dr.in Esther Hutfless wird über die Schnittmengen zwischen Psychoanalyse und Queer Theory sprechen.

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22.09.17

M. Fakhry Davids, britischer Psychoanalytiker aus London, hat am 22.09.17 einen Vortrag zum Themaüber 'Internal Racism' gesprochen.

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20.04.17 ff.

Der Traum und die Psychoanalyse (Vortragsreihe). Torsten Maul, Dozent am Hamburger DPG-Institut hat am 11. Mai über den Umgang mit der Traumerzählung in psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Behandlungen gesprochen; moderiert wurde die Veranstaltung von Gabriele Amelung.

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