Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Hamburg e.V.
der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

DPG Institut Hamburg

psa. Säugling 3 14-15

Der „psychoanalytische Säugling“

Die Geburt der Seele in verschiedenen Konzepten der Psychoanalyse:

Bions Konzeptionen

Walter Marggraf, Martina Müller, Johanna Naumann

Donnerstag, 15.01.15, 18:30 bis 20:00 (Einführung)

Samstag, 24.02.15,    10:00 bis 15:30

4 Doppelstunden

Mit diesem Seminar möchten wir den über vier Semester gehenden Zyklus früher Funktionsweisen emotionaler Entwicklung mit den Konzeptionen Bions fortsetzen.

Im letzten Seminar wurde deutlich, dass M. Klein ein frühkindliches Seelenmodell von einem Leben in „zwei Welten“ postuliert, einer inneren Welt mit inneren Objekten – die ebenso ein wirklicher Ort des Lebens ist („psychische Realität“) – und einer Außenwelt. Als Schüler M. Kleins nimmt Bion diese Gedanken und das wichtige Konzept der „projektiven Identifikation“ auf. Er konzeptualisiert diese Urform menschlicher Kommunikation neu und erweitert sie in seinem Container- und Contained-Modell um seine Denktheorie. Seine große Bedeutsamkeit in den Bereichen der psychotischen und schweren narzisstischen Funktionsweisen wollen wir nachvollziehen vor dem Hintergrund einer Skizierung verschiedener psychoanalytischer Narzissmustheorien.

Wie denkt der analytische Säugling Bions?

Was bedeutet es, wenn der Säugling Hunger verspürt, die Brust der Mutter aber auf sich warten lässt? Nach Bion nimmt der Säugling sein Bedürfnis nach Milch nicht als Mangel einer ersehnten, benötigten Brust wahr, sondern als Anwesenheit einer schlechten Brust. Die Abwesenheit ist gewissermaßen als dingliche Präsenz zu verstehen. Unlust („Dinge, die nicht zu Gedanken werden können“) wird von Bion als Beta-Element konzeptualisiert. Die Psyche der Mutter verfügt über eine spezifische Offenheit (träumerisches Ahnungsvermögen) gegenüber den unentfalteten Botschaften ihres Babys und wird zum aufnehmenden Behälter. Den Inhalt transformierend gibt sie Antworten (Liebe, Verständnis, Erfahrung und Weisheit), wodurch sie es begreifen lässt, was ihm fehlt. Sie verfügt damit über eine Alpha-Funktion, mit der sich der Säugling identifiziert. Bion beschreibt symbiotische, parasitäre und kommensale Formen der Beziehung. Viele seiner Gedanken stammen aus seinen Forschungen zur Psychose und Schizophrenie.

Bions Schriften gelten als schwer verständlich und irritierend, denn er schreibt mit „unerhörter Konzentration und Konsequenz“. “Wie müssen wir über das Denken nachdenken“ - veranschaulicht Bions strikt analytische Haltung nicht nur dem Patienten, sondern auch dem Analytiker selbst gegenüber. „No memory, no desire“ gilt ihm als Grundhaltung in Analysen, um sich psychisch und intellektuell offen zu halten.

Diese hier umrissenen Konzepte sollen im Seminar inhaltlich gefüllt und im Unterschied zu den vorgestellten Modellen Freuds und Kleins diskutiert werden. Wir möchten Bions wesentliche Begrifflichkeiten durch klinisches Material für die Anwendung nachvollziehbar erscheinen lassen. Die Erfahrung, seinen Aufsatz „Angriffe auf Verbindungen“ gemeinsam zu lesen und zu bearbeiten, wird dabei im Zentrum unserer Beschäftigung mit Bions Konzepten stehen.

Literatur:

Wilfred R. Bion: Angriffe auf Verbindungen. In: Melanie Klein Heute Band 1. S. 110 – 129

E. Krejci: Psychogenese im ersten Lebensjahr. Edition Diskord. S. 70 – 85

G.Ermann: Die reversible Perspektive als Deutungsmuster in der Säuglingsbeobachtung. In: Engel, Gast, Gutmann: Bion. Aspekte der Rezeption in Deutschland. Ed. Diskord. S. 69 - 85

Stefano Bolognini: Eine Neubewertung des Narzissmus aus der Perspektive der modernen, komplexen Psychoanalyse. Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis 28. Jg. Heft 2 2013 S. 143 - 158

Für: alle ABT, StudentInnen und GasthörerInnen

Die Teilnahme am vorangehenden Seminar bildet keine Voraussetzung. Die Übernahme von Impulsreferaten wird vorausgesetzt. Bei Interesse kann der Seminarordner dazu eingesehen werden.

Anmeldungen unter: johanna-naumann@gmx.de

 

Aktuelles

Wintersemester 2017-18

Das neue Semesterprogramm ist online!

16.02.18

Zur Dekonstruktion geschlechtlicher Normativität - Queer Theory und Psychoanalyse. Die Wiener Psychoanalytikerin Mag.a Dr.in Esther Hutfless wird über die Schnittmengen zwischen Psychoanalyse und Queer Theory sprechen.

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22.09.17

M. Fakhry Davids, britischer Psychoanalytiker aus London, hat am 22.09.17 einen Vortrag zum Themaüber 'Internal Racism' gesprochen.

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20.04.17 ff.

Der Traum und die Psychoanalyse (Vortragsreihe). Torsten Maul, Dozent am Hamburger DPG-Institut hat am 11. Mai über den Umgang mit der Traumerzählung in psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Behandlungen gesprochen; moderiert wurde die Veranstaltung von Gabriele Amelung.

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