Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Hamburg e.V.
der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

DPG Institut Hamburg

Forschung

Forschungsaktivitäten am Hamburger DPG-Institut

I. „Kriegskinder auf der Flucht. Zur transgenerationalen Weitergabe“

Das Forschungsprojekt des Hamburger DPG Instituts Kriegskinder auf der Flucht. Zur transgenerationalen Weitergabe ist eine psychohistorische Studie, die rückblickend mögliche Auswirkungen von Flucht und Vertreibung während des Zweiten Weltkrieges auf die damaligen Kinder (Jahrgänge 1930-1945) und der nachfolgenden Generation untersucht. Sie hat insbesondere das Ziel, die transgenerationalen Prozesse der Traumaverarbeitung aus der Kriegs- und NS Zeit zu ergründen.

In unserer Studie interessierten wir uns erstens für die Frage, wie Kinder unterschiedlichen Alters traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung verarbeitet haben, zum Beispiel den Verlust der Heimat und der Existenz, den Verlust von Angehörigen, die Unterbringung in Auffanglagern, Feindseligkeiten und Stigmatisierungen in der neuen Heimat. Die individuellen traumatischen Erfahrungen fanden statt im Rahmen eines kollektiven Traumas, das durch den Zivilisationsbruch gekennzeichnet war. Wir sind davon ausgegangen, auf Spuren der individuellen wie auch der kollektiven Traumatisierung zu stoßen. Zweitens untersuchten wir die Frage möglicher langfristiger Auswirkungen auf die nachfolgende Generation, also für eine bewusste oder unbewusste transgenerationale Weitergabe unverarbeiteter Erlebnisse an die eigenen Kinder.

Als Psychoanalytiker haben wir uns mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen für einen qualitativen Forschungsansatz entschieden, der die Übereinstimmung und Angemessenheit von Fragestellung, methodischer Strategie und theoretischer Konzeptualisierung berücksichtigt bzw. ermöglicht. Da wir die unbewussten Prozesse von Trauma und transgenerationaler Weitergabe erforschen wollten, haben wir uns für ein Forschungsdesign entschieden, das überwiegend auf psychoanalytischen Methoden beruht. Dies lässt aus unserer Sicht auch den nötigen Raum, die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten und deren Vielschichtigkeit zu berücksichtigen.

Unsere untersuchte Stichprobe setzte sich zusammen aus 6 Eltern-Kind-Paaren, die in jeweils zwei ca. 1½ - 2 stündigen psychoanalytisch orientierten Interviews auf die Spuren der kriegsbedingten Erfahrungen sowohl bei den Eltern wie auch bei den Kindern befragt wurden. Die paar-weisen Untersuchungsprozesse, die jeweils von einem Interviewer Paar unter Supervision ausgewertet wurden, wurden dann in einem 3. Schritt mehrfach teilweise wieder unter Supervision in der Forschergruppe psychoanalytisch durchgearbeitet. Dadurch wurde eine vielfache Triangulierung, Symbolisierung und Konzeptualisierung  der emotionalen Erfahrungen möglich. Insbesondere wurde dem Gruppenprozess als zusätzlichem Forschungsinstrument sehr große Aufmerksamkeit gewidmet.

Standardisierte Fragebögen erlaubten eine zügige Erfassung von Basisdaten und Traumafolgen.

Die Ergebnisse der Studie wurden in verschiedenen Vorträgen und Seminaren und auf Tagungen intern veröffentlicht. Geplant ist eine darüber hinausgehende Publikation.

Studienleiter:
Dipl. Psych Mercedes Dohrn-van Rossum, Psychoanalytikerin,
Kontakt : dohrn-van-rossum@gmx.de

Dipl. Psych. Hans–Joachim Heist, Psychoanalytiker
Kontakt: heist.h.@web.de

Wissenschaftliche Beratung:
Prof . Dr. Ulrich Stuhr , Psychoanalytiker, UKE Hamburg
Prof. Dr. Karl Christian Führer, Historiker, Hamburg

 

II. „Transgenerationale Weitergabe nach Holocaust und Krieg“

Die Arbeitsgruppe „transgenerationale Weitergabe nach Holocaust und Krieg“ (vorläufiger Titel) hat sich 2011 gebildet.

Die Gruppe ist  interdisziplinär zusammengesetzt und untersucht Phänomene transgenerationaler Weitergabe im kulturellen Raum auf der Basis psychoanalytischer Erkenntnisse. Gegenwärtig beschäftigt sich die Gruppe mit Büchern und Filmen, die von der Auseinandersetzung der Kinder von Nazi-Tätern mit ihren Eltern oder Großeltern handeln.

Kontakt:
Dipl. Psych. Gabriele Amelung , Psychoanalytikerin (DPG), g.amelung@online.de
Hannes Heer, Historiker, exhibit@hannesheer.de

 

III. LAC–Studie

Die LAC–Studie (Langzeittherapie bei chronischen Depressionen) wird in Kooperation mit den Fachgesellschaften der DGPT und verhaltenstherapeutischen Fachgesellschaften durchgeführt. Seit 2008 sind Psychoanalytiker des Hamburger DPG-Instituts an der LAC-Studie als Studientherapeuten beteiligt.

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Für ihre Behandlung stehen sowohl psychiatrisch-psychopharmakologische als auch psychotherapeutische und psychoanalytische Verfahren zur Verfügung. Mehr als 20% depressiv Erkrankter reagieren aber nicht auf antidepressive Medikamente und fast 60% der Patienten in den Hausarztpraxen sind auch 12 Monate nach Beginn der Erkrankung noch depressiv. Ein Drittel der Patienten mit medikamentöser Therapie erleidet innerhalb eines Jahres einen Rückfall, 75 % innerhalb von 5 Jahren.

Um zu klären, wer mit welcher Depression zu welchem Zeitpunkt und womit am wirksamsten zu behandeln ist, führt eine schulenübergreifende, interdisziplinäre Forschergruppe eine umfangreiche, prospektive Therapievergleichsstudie durch.

Es werden psychoanalytische Psychotherapien (PAT) und kognitiv-behaviorale Psychotherapien (KBT) der Regelversorgung verglichen, um deren kurz- und langfristige Effekte sowie deren Stabilität auch über die Behandlung hinaus zu erfassen.

Kontakt:
Frau Dipl.-Psych. Schött, schoett@sigmund-freud-institut.de

Veröffentlichungen:

Marianne Leuzinger-Bohleber, Ulrich Bahrke, Manfred Beutel et al. (2010):                 "Psychoanalytische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Langzeittherapien bei chronischer Depression: Die LAC-Depressionsstudie" in Psyche Z.Psychoanal 64, S. 782-832

Marianne Leuzinger-Bohleber, Ulrich Bahrke, Alex Negele (Hg.):                                           "Chronische Depression  Verstehen-Behandeln-Erforschen", Vandenhoeck & Ruprecht 2013

 

IV. Untersuchung des Beziehungserlebens in der Supervision und dessen Einfluss auf die psychoanalytische Identitätsfindung des
Ausbildungskandidaten

Die Studie zur Untersuchung des Beziehungserlebens in der Supervision und dessen Einfluss auf die psychoanalytische Identitätsfindung des Ausbildungskandidaten wird seit 2010 an psychoanalytischen Ausbildungsinstituten der Fachgesellschaften (DPG, DPV, DGPT) durchgeführt. Auch das Hamburger DPG Institut ist daran beteiligt.

Die Querschnittstudie fragt nach den Bedingungen emotionalen Lernens in der Supervision, insbesondere nach dem intersubjektiven Beziehungserleben in der supervisorischen Arbeit.

Mittels schriftlicher Befragung (Fragebögen) wird jeweils ein spezifisches Supervisor-Supervisanden-Paar erfasst, um das interaktionelle Geschehen in deren Arbeit und die Passung dieses supervisorischen Paares zu erforschen.

Kontakt: Dr. med. Waltraud Nagell, dr.waltraud-nagell@t-online.de

 

V. "Thinking under fire"

Die Studie "Thinking under fire" richtet den Fokus auf die emotionalen und ubw Prozesse in der Supervisionsbeziehung, in der persönliche und gruppenspezifische Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene zwischen den Beteiligten (Supervisor und Supervisand) stattfinden.     Die Supervisionsbeziehung ist eine wesentliche Beziehungserfahrung des Kandidaten während der Ausbildung, die neben der inhaltlich-professionellen Zusammenarbeit eine besonders aufregende und emotional vielschichtige Situation darstellt. Von den Beteiligten erfordert sie das, was Bion als "Thinking under fire" (Bion 1982) bezeichnet hat.

In der qualitativen Studie, in der beide Beteiligte unabhängig voneinander in mehreren Telefoninterviews befragt werden, sollen die bewussten, vor- und unbewussten Konzepte, die in den Supervisionsprozess einfließen, aufgefunden werden. Die Interviews werden transkribiert und sorgfältig ausgewertet. Die Ergebnisse dienen dazu, die Reflexion der Ausbildungssituation in den bundesdeutschen psychoanalytischen Instituten zu fördern.

Das Forschungsprojekt wird mit Lehranalytikern und Ausbildungskandidaten der DPG durchgeführt.

Projektleitung: Frau Dipl.Psych. Gisela Grünewald-Zemsch                                                            

Kontakt: mailto:zemsch@thinkingunderfire.de

Veröffentlichung: Gisela Grünewald-Zemsch: "Emotionale Aneignungsprozesse beim Lernen psychoanalytischer Theorie", Psyche Z. Psychoanal 68, 2014, S. 31-46 

 

VI. Studie zu Angst- und Panikstörungen

Die APS- Studie wird in Kooperation in Berlin, Kassel, Heidelberg, Hamburg und München durchgeführt. Seit 2014 sind  Psychoanalytiker  des Hamburger DPG Instituts  als Studientherapeuten an der APS- Studie beteiligt.

Die Angst-oder auch Panikstörung ist eine der häufigsten seelischen Erkrankungen in Deutschland. Menschen, die unter einer Panikstörung leiden erleben plötzliche Gefühle
von großer  Angst, Unsicherheit, Benommenheit oder Schwindel .Sie berichten von
starkem Herzklopfen oder dem Eindruck, einen Kloß im Hals zu verspüren .Die Angst
kann mit zusätzlichen  Persönlichkeitsproblemen einhergehen, die zwischenmenschliche Beziehungen erschweren, beispielsweise, dass man sich übermäßig stark auf andere verlässt, oder sich von ihnen abhängig macht. Menschen mit einer Angststörung neigen dazu, Situationen, vor denen sie sich fürchten, eher zu vermeiden, als sie zu bewältigen.

In der APS- Studie  soll die Wirksamkeit der ambulanten Therapiemöglichkeiten bei Menschen mit einer Angststörung  untersucht werden. Hierfür werden zwei wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren, die  Analytische Psychotherapie und die Kognitive Verhaltenstherapie miteinander verglichen. Wir möchten verstehen, welchen Einfluss beide Therapieverfahren langfristig auf die Angst- und Persönlichkeitsproblematik ausüben und welches Behandlungsangebot für welche Patienten besser geeignet ist.
Die Behandlungen werden von erfahrenen niedergelassenen Therapeuten  durchgeführt.  


Kontakt: Frau Prof. Silke Wiegand-Grefe
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik
Forschung, Gebäude W29 (Postadresse)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel: 040 7410 52633
Fax: 040 7410 55105

 

 

 

 

Aktuelles

16.02.2018

Psychoanalyse und Queer Theory - die Wiener Psychoanalytikerin Esther Hutfless wird einen Vortrag zu diesem Thema halten.

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22.09.17

Fakhry Davids, britischer Psychoanalytiker aus London, wird einen Vortrag zum Thema 'Internal Racism' halten.

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20.04.17 ff.

Der Traum und die Psychoanalyse (Vortragsreihe). Torsten Maul, Dozent am Hamburger DPG-Institut hat am 11. Mai über den Umgang mit der Traumerzählung in psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Behandlungen gesprochen; moderiert wurde die Veranstaltung von Gabriele Amelung.

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18.04.17

Das Sommersemester 2017 hat begonnen! Hier das Semesterprogramm.

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