Vortrag Prof. Dr. Christina von Braun (September 2014): 'Der menschliche Körper als moderner Goldstandard'

Prof. Dr. Christina von Braun
Christina von BraunFoto: Dagmar Stratenschulte

Dienstag, 23. September 2014, 20.15 Uhr, Uni-Hauptgebäude, Hörsaal M:
'Der menschliche Körper als moderner Goldstandard'
Anthroprologische, religionswissenschaftliche und psychoanalytische Einblicke in die moderne Finanzwirtschaft (Öffentlicher Vortrag im Rahmen der Herbstakademie)

Abstract: Es gibt unter Ökonomen einen breiten Konsens darüber, dass das Geld keiner Deckung bedarf. Christina von Braun vertritt die Gegenthese: Das moderne Geld, das keinen materiellen Gegenwert hat, wird durch den menschlichen Körper ‚gedeckt’. Das erklärt die extrem unterschiedlichen Entwicklungen der Einkommen im Finanzkapitalismus wie auch die Monetarisierung des menschlichen Körpers: im Söldnertum, der Prostitution, dem Organhandel, dem Sport, dem Versicherungswesen und – heute ganz besonders: den modernen Reproduktionstechniken. Diese Beglaubigung des Geldes durch den menschlichen Körper ist schon im sakralen Ursprung des Geldes angelegt, das nach einem Opfer verlangt, um ‚fruchtbar‘ zu werden und sich vermehren zu können.

In ihrer Kulturgeschichte des Geldes, die anthropologische, historische, religionswissenschaftliche und psychoanalytische Forschungsergebnisse einbezieht, verbindet die Autorin die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Geldes mit aktuellen finanz-, wirtschafts- und sozialpolitischen Phänomenen.

Literatur: Christina von Braun, ‚Der Preis des Geldes‘, Berlin 2012, vierte Auflage 2014.